It’s beginning to look a lot like christmas

Hei!

In letzter Zeit ist nicht viel Spannendes passiert. Es wurde immer kälter (heute sind wir bei -12°C angekommen), ich war das erste Mal im Kino (Fantastische Tierwesen) und habe mich am gleichen Wochenende zweimal mit meinem Fahrrad auf die Klappe gelegt. Jetzt habe ich Winterreifen (also welche mit Stollen) an meinem Fahrrad und da klappt selbst fahren über Eis ganz gut. In Norwegen ist es üblich, dass man im Winter andere Reifen an seinem Fahrrad hat, das finde ich ganz schön faszinierend. Aber es macht ja auch irgendwie Sinn, da nicht wirklich gestreut wird und wenn nur mit Kies oder Sand, nicht mit Streusalz.

Ich habe schon alle Weihnachtsgeschenke für die Kinder zusammen und einen Adventskalender haben sie von mir auch bekommen. Da freuen sie sich jeden Tag aufs Neue drüber.

Im November hat’s auch das erste Mal geschneit, der Schnee ist wieder weggetaut und es hat jetzt im Dezember richtig geschneit. Ab dem 5.12. ungefähr liegt in Trondheim Schnee. Die ersten Tage in der gesamten Stadt, doch am Sonntag und Montag ist der meiste Schnee wieder weggetaut. Jetzt liegt nur noch in den höher gelegenen Stadtteilen (wie z.B. Bymarka) Schnee. Ich vermisse den Schnee hier unten, der hat einem die viele Dunkelheit doch ein bisschen heller gemacht. Man kann sich das schlecht vorstellen, was für einen großen Unterschied der Schnee gemacht hat. Es ist nur sehr kurz hell und das kann schon kräftezehrend sein. Momentan geht die Sonne um kurz vor 10 auf und um halb 3 wieder unter. Und dazwischen ist es auch nicht richtig hell, man sieht meistens immer noch einen orangen Streifen am Horizont. Aber langsam habe ich mich echt dran gewöhnt, auch wenn ich mich schon wieder auf ewig lange Sommerabende freue.

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Schnee auf dem Ponyhof
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ich, im Schnee
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Schnee und Fjord passt für mich immer noch nicht ganz zusammen

Außerdem stand die Weihnachtsfeier im Stall an. Es war eine richtige norwegische Weihnachtsfeier mit Milchreis und einer Mandel darin und wer die Mandel gefunden hat, bekam ein kleines Geschenk und Glück im neuen Jahr (Spoiler: ich habe sie nicht gefunden). Zudem gab es Julebrus („Weihnachtslimonade“ – ich habe sie nicht probiert, aber laut zuverlässigen Quellen (Anna) soll sie sehr süß schmecken) und „Gløgg“, eine Art Glühwein ohne Wein (hab ich auch nicht probiert, aber ich fand es faszinierend, dass es eine Art Nussmischung gibt, die man sich in dieses Getränk kippt). An sich war es ein sehr schöner Vormittag. Als ich in die „Varmstue“, also das Reiterstübchen, gekommen bin, meinten die Besitzerin und andere Reitbeteiligung von dem Pony, das ich reite, erstmal „Oh, da kommt Hannah, jetzt müssen wir alle Bokmål reden.“ Das fand ich sehr witzig, war aber auch eher als Scherz gemeint.
Nach der Weihnachtsfeier haben Coco und ich uns in der Stadt getroffen und uns Norwegerpullis gekauft. Das war nicht geplant, aber was soll man machen, wenn die teuren Pullis schon um 50% reduziert sind… Da hab ich jetzt glatt schneller als Anna einen gefunden, obwohl die danach gesucht hat und ich nicht.

Und dann hat endlich der Weihnachtsmarkt aufgemacht. Wobei, so toll ist der auch nicht. Er ist ziemlich klein und bis jetzt bin ich einmal drüber gelaufen. Aber es rundet das Weihnachtsfeeling in der Stadt ab. Überall sind Lichter und Girlanden (jaa, auch über eventuell wichtigen Straßenschildern, die man jetzt nicht mehr lesen kann) und an vielen Ecken standen schon vorher Stände, die gebrannte Mandeln verkauft haben. Weihnachten nimmt man hier sehr ernst. Das schlimmste Weihnachtsprodukt, dass ich bis jetzt entdeckt habe (in unserem Kühlschrank) ist „Julebrunost“. Dieser „Weihnachtsbraunkäse“ ist normaler Brunost mit mehr Zucker und Kardamom. Da frage ich mich: Was macht Kardamom im Käse? Das Zeug schmeckt so überhaupt nicht gut, ein bisschen wie roher Hefeteig in Käsekonsistenz. Aber meine Gastfamilie findet das sehr lecker. Naja, Geschmäcker sind zum Glück unterschiedlich und wenn sie das essen, muss ich es nicht tun.

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julemarked i Trondheim

Am letzten Wochenende kam ich dann endlich wieder raus aus Trondheim. Zwar nur für einen Tag, aber ich finde es immer wieder toll, mehr von Norwegen zu sehen. Diesmal hieß unser Ziel Røros. Alle vier Au Pairs aus Trondheim und Umgebung haben sich äußerst pünktlich (also zirka 2min vor Abfahrt) im Zug getroffen (und ich dachte, ich wäre viel zu spät, weil mein Bus nicht kam und mein Gastvater mich in letzter Sekunde zum Bahnhof gefahren hat, aber ich war tatsächlich die erste dort…).
Die gesamte Zugfahrt, die 2,5h gedauert hat, hat es ununterbrochen geschneit. Die gesamte Landschaft, die an uns vorbeigezogen ist, sah einfach nur wunderschön aus.

Røros, die kälteste Stadt Norwegens, ist eine kleine, alte Bergbaustadt mit 5.500 Einwohnern, in deutschen Verhältnissen also eher ein Dorf. Hier ist es allerdings groß genug, um einen kleinen Flugplatz zu besitzen. Und sonderlich kalt war es am Sonntag mit -4°C auch nicht wirklich. Røros hat es außerdem geschafft, die ganzen alten Häuser zu behalten, sodass die gesamte Stadt aus bunten Holzhäusern besteht. Der Weihnachtsmarkt dort ist auch sehr bekannt, weshalb vor allem an diesem Wochenende viele Touristen in der Stadt waren.

In Røros angekommen, bewunderten wir erstmal den ganzen schönen Schnee und dann die Stadt. Die Gassen und Straßen waren voll mit Weihnachtsdekorationen, Girlanden und Lichtern. Durch den Schnee sah alles noch viel schöner aus. Kinder mit Wichtelmützen und aufgemalten roten Bäckchen mit Sommersprossen liefen umher, umarmten die Leute, verteilten „Pepperkaker“, also Plätzchen und sangen. Kinderwägen sah man nicht, die Leute schoben ihre Kinder auf Schlitten durch die Gegend und auch alte Menschen benutzten diese Schlitten anstelle eines Rollators. Wie gerne hätten wir irgendjemanden einen Schlitten gemopst und wären die Berge heruntergefahren.
Auf dem Weihnachtsmarkt sahen wir auch immer wieder Männer, die eins zu eins wie Weihnachtswichtel aussahen. Einer hatte auch ein Rentier dabei.

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nisse (Wichtel) mit Rentier
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die Kirche und ein paar süße Häuser
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ich bin immer noch nicht darüber hinweg
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ein kleiner Wichtel
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Blick auf die Stadt und die Kirche von einem Schneehügel aus

Nachdem wir dann einmal über den Weihnachtsmarkt gelaufen sind, haben wir uns in die Bäckerei (nicht die Bank!!!) gesetzt und gegessen. Wir saßen im oberen Stockwerk und es war so (wie würde der Norweger sagen?) „koselig“.
Danach sind wir noch die Straßen abseits vom Weihnachtsmarkt entlanggelaufen und ich habe mich ein bisschen in Røros verliebt. Coco, Laura und Karina war Røros ein bisschen zu klein und zu weit ab vom Schuss – immerhin ist Trondheim die nächste große Stadt, aber ich vermisse mein Dorfleben ja sowieso ein bisschen und wäre am liebsten dort geblieben.

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Hier sind wir alle vier

Dann haben wir noch einen Hinterhof gefunden, in dem die Besitzer (?) eine Feuerstelle eingerichtet haben. An einem kleinen Stand haben sie z.B. Gløgg und Würstchen verkauft und um die Feuerschale herum standen Strohballen mit Decken. Das iPad unter der Rotlichtlampe war mit Lautsprechern verbunden und spielte Weihnachtsmusik. Außerdem gab es einen kleinen Stall mit Truthähnen, Hühnern, Wachteln und Kaninchen, den man „besichtigen“ durfte. Dort saßen wir auch eine ganze Weile und haben gequatscht, uns am Feuer gewärmt und (zumindest Laura und Karina) Gløgg getrunken. Dazu hat es leicht geschneit und wenn ich daran zurückdenke, war es irgendwie wie in einem Film. Gut, dass Coco und ich den Hinterhofeingang entdeckt haben und die anderen darauf aufmerksam gemacht haben. Das sind solche Momente, die nicht jeder Tourist dort in Røros erlebt hat und die unser Erlebnis ein bisschen besonders machen.

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der unscheinbare Eingang
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Eindrücke aus dem Hinterhof
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die Feuerstelle
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der kleine Stand
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und da saßen wir

Danach war es auch schon wieder so weit, dass wir uns auf den Rückweg zum Bahnhof machen mussten und Røros „Ha det bra!“ sagen mussten.
Der Tag war wirklich wunderschön und ich bin froh, dass Coco uns alle gefragt hat, ob wir mitkommen wollen.

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der Weihnachtsbaum am Bahnhof

Meine Weihnachtsstimmung, die Anfang Dezember sehr ausgeprägt war (kitschigen Weihnachtsfilmen sei Dank), ist jetzt schon wieder ein bisschen abgeklungen, weil ich Weihnachten alleine in Trondheim verbringen werde. Zwar hatte ich Mama versprochen, dass ich noch irgendetwas finde, aber das hat ja offensichtlich nicht geklappt. Mit meiner Gastfamilie kann ich leider nicht feiern, da die auf ihrer Hütte sind und so viel Besuch bekommen, dass kein Bett mehr für mich frei ist. Das wusste ich allerdings schon, bevor ich nach Norwegen gekommen bin, also beschwere ich mich da gar nicht drüber. Und über Weihnachten nach Hause zu fahren, war für mich nie eine Option. Auf jeden Fall plane ich jetzt, mir vielleicht den Weihnachtsgottesdienst im Nidarosdom anzusehen und ein bisschen aus der Stadt rauszufahren. Und am 26.12. kommen auch schon meine Eltern und meine Oma nach Trondheim, worauf ich mich schon sehr freue.

Hier kommen noch einige Eindrücke von heute, Eis und Fjord.

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diese zugefrorene Pfütze ist so schön
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das sind meine Füße
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Eisschollen und ein halbgefrorener Fjord
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Eis und Fjord

Das war jetzt ein ziemlich langer Blogbeitrag, aber jetzt ist der Blog endlich auf dem neuesten Stand.

Ha det!
Hannah

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