Besuch aus Deutschland

Hei!

Endlich kommt der Beitrag zum ersten Novemberwochenende. Ich ärgere mich so, dass ich so nachhänge, aber ich versuche, mich wieder zu bessern.

Am ersten Novemberwochenende von Donnerstag bis Montag bekam ich auf jeden Fall meinen ersten Besuch aus Deutschland. Nils kam nach Trondheim mit dem Wunsch, Nordlichter zu sehen und zu fotografieren. Die Vorhersage war für dieses Wochenende ziemlich gut, vor allem für Samstag und Sonntag, also haben wir beide uns ziemlich große Hoffnungen gemacht. Dazu aber später mehr.

Am Donnerstagabend hatte ich ein bisschen früher frei als sonst, weil ein Kind zuhause war und ich deshalb schon früher angefangen hatte zu arbeiten. Das kam mir ganz gelegen, dann konnte ich nämlich früher in die Stadt fahren, wo Nils sich in ein Hotel einquartiert hatte. Nachdem wir dann festgestellt hatten, dass es dieses Hotel zweimal in Trondheim gibt und ich natürlich vor dem falschen stand, haben wir uns doch irgendwie gefunden und ich habe ihm ein bisschen die Stadt gezeigt. Es war leider schon dunkel, sodass er nicht wirklich viel gesehen hat, außer die beleuchteten Bäume und die Fassade des „Solsiden“- Einkaufszentrum, die sehr schön beleuchtet ist.
Irgendwann hab ich mich dann wieder auf den Rückweg gemacht, da ich ja am nächsten Morgen wieder früh aufstehen musste, um zu arbeiten.

Zu meinem „Glück“ war das Kind Freitag immer noch krank. Natürlich sind gesunde Kinder besser als kranke Kinder, aber so musste ich den Vormittag arbeiten und hatte den gesamten Nachmittag und Abend frei. Da hat Nils dann eine vernünftige Stadtführung im Hellen bekommen. Wir waren an der Festung, am Dom, im Bakklandet und zum Schluss im Dunkeln noch Richtung Ila gelaufen. Das Wetter war – wie hier eigentlich üblich – nicht so klasse und es hat die ganze Zeit genieselt. Trotzdem war Nils begeistert von Trondheims bunten Holzhäusern. Wer kann es ihm übel nehmen?

Samstag hatte ich wie immer den ganzen Tag frei und bin zuerst wieder in die Stadt gefahren. Nils und ich haben uns am Hafen getroffen, weil er gerne ein Hurtigrutenschiff besichtigen wollte. Wenn diese im Hafen liegen, kann man als Besucher kostenlos auf das Schiff und sich umsehen. Ich war eher weniger begeistert, da ich Schiffe nicht sonderlich interessant finde, beim Schifffahren immer seekrank werde (zum Glück sind wir nicht gefahren) und nicht gerade Fan von Kreuzfahrtschiffen bin (auch wenn die Hurtigruten mehr als nur Kreuzfahrtschiffe sind). Nils war aber erst zufrieden, als seine Mutter uns auf der Webcam auf dem Schiff gesehen hat.
Danach sind wir zu mir nach Hause an den Fjord gefahren und bis zum Ladekaia gelaufen. Es war super bewölkt, aber immerhin hat es nicht geregnet. Nils hat der Fjord auch sehr gut gefallen, nur leider hatte das Ladekaia geschlossen, sodass wir uns nicht aufwärmen konnten.

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ich, dramatisch am Fjord

Dann sind wir umgedreht und zur „Röhre“ gegangen, weil Nils dort auch gerne Fotos machen wollte. Vorher musste Nils noch Brunost probieren und er fand es wider Erwarten sogar genießbar.

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wir sind vielleicht ein bisschen albern
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aber es sieht schon cool aus
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weil ich momentan sehr gerne hüpfe

Eigentlich wollten wir den Abend und gegebenenfalls die Nacht am Fjord verbringen, weil Polarlichter vorhergesagt wurden und man sie vom Fjord aus super beobachten kann. Leider machte das Wetter uns einen Strich durch die Rechnung und es fing zusätzlich zur geschlossenen Wolkendecke auch noch an zu regnen. Also hat Nils beschlossen, dass er lieber zurück ins Hotel fährt und ich, weil ich schon gemerkt habe, dass ich auf dem besten Wege war, krank zu werden, habe den restlichen Abend auf dem Sofa verbracht.

Am Sonntag wollten wir dann den Ilabekken runterlaufen. Das ist der Fluss, den ich, als Anna hier war, mit Coco und Anna hochgelaufen bin. Wir sind also mit dem Bus bis zum Stausee gefahren, haben abgefressenen Bäume gesehen und uns gefragt, ob es dort Biber gibt, und waren sehr traurig, dass die Enten vom letzten Mal nicht da waren.
Nils war sehr begeistert von den ganzen Wasserfällen und ich war mehr körperlich als geistig anwesend, da meine Erkältung nun da war (Spoiler: ich habe die nächste Woche außerhalb meiner Arbeitszeiten großteilig im Bett verbracht).
Aber Spaß hat es trotzdem gemacht, vor allem, weil ich gemerkt habe, wie sehr ich in den 2,5 Monaten schon zur Bergziege mutiert bin. Nils war vielleicht ein bisschen überfordert mit meinem „Man nimmt immer den abenteuerlichsten Weg“ oder „Man nimmt immer den kürzesten Weg“. Der kürzeste Weg ist manchmal auch der abenteuerlichere, weil man querfeldein laufen muss.

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Trabbi mochte den Wasserfall
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hier saßen wir eine ganze Weile und haben die sportlichen Leute beobachtet, die die Treppen hoch- und runtergerannt sind. Respekt

Wieder in der Stadt haben wir uns ein bisschen die Zeit vertrieben, was gegessen und sind dann wieder an den Hafen gegangen.

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vor dem Rockheimmuseum, das so schön geleuchtet hat

Es war nämlich die letzte Chance von Nils, noch Nordlichter zu sehen und wenn wir ehrlich sind, hatten wir die Hoffnung schon aufgegeben. Es war immer noch bewölkt. Trotzdem waren wir eine ganze Weile am Hafen und als wir gerade weggehen wollten, sah ich ein grünes Licht in einem Wolkenloch (Notiz am Rande: Es war kurz nach sieben und wir wollten kurz zum Hotel, damit ich meine Blase entleeren konnte).
Also sind wir geblieben. Nils war völlig aus dem Häuschen, auch wenn man es ihm nicht angemerkt hat. Der Abend war geprägt von Ausrufen wie „Wooow“, „Guck mal da“, „Dadadadaa“, „Ahhh“ und „Alter, ist das schön“. Die Wolken sind immer weiter verschwunden.
Gegen neun hat sich nicht nur meine Blase, sondern auch mein Magen beschwert und ich habe mich dazu entschieden, nach Hause zu fahren. Nils blieb und machte weiter seine Fotos.
Ich setzte mich in den Bus, machte mir zuhause schnell etwas zu essen und verschwand wieder nach draußen. Der gesamte Himmel leuchtete grün und zum ersten Mal sah ich auch zweifarbige Lichter. Es war einfach magisch.
Zum Glück hatte Nils mir aus Deutschland ein Stativ (neben anderen nützlichen Dingen, die meine Mama zusammengepackt hatte, wie Kekse oder meine Winterreitjacke) mitgebracht und so sehen meine Fotos auch gut aus.

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„guck mal, ist das ein Nordlicht?“
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„jaa, ich glaube schon“
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„oh mein Gott, das ist soo schön“
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als ich am Fjord war, ging es richtig ab
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wow
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ich kann mich an den Nordlichtern nicht satt sehen

Nach dieser erfolgreichen Nacht konnte Nils am Montagmorgen glücklich zurück nach Hause fliegen und ich in meinen Arbeitsalltag zurückfinden, denn alle Kinder waren wieder gesund und munter. Nur Hannah nicht, aber das ist eine andere Geschichte. Und dass ich eine Woche später, am Freitag, noch viel schönere Nordlichter gesehen hab, das muss Nils ja nicht wissen.

Ha det!
Hannah

2 Kommentare zu „Besuch aus Deutschland

  1. Hallöle!

    Schöner Text, hätte ich nicht besser schreiben können. Und du hast sogar nix vergessen 😛 😛 😛

    Ich fand’s sehr schön in Norwegen, ich komme auf jeden Fall regelmässig wieder ins Land. Danke nochmals für die super Reiseleitung!

    An alle anderen: wenn ihr sie mal besuchen wollt, Hannah hat sogar eine Übersetzungsfunktion, die einem helfen kann, wenn man durch ständigem Sprachwechsel sein Abendessen am letzten Tag in 3 Sprachen gleichzeitig bestellt und man (verständlicherweise) angeguckt wird wie ein Auto. Brum brum = „Hallo, I’d like some Pommes with Ost“

    Das ist schon ein Monat her? Meine Güte, die Zeit rennt.

    Brum brum! Nils

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