På tur im Elchland

Hei!

Erstmal „Entschuldigung“ an Anna, dass dieser Beitrag erst so spät kommt..

Da ich vor einigen Wochen am Wochenende gearbeitet habe, haben meine Gasteltern mir letzte Woche Donnerstag und Freitag freigegeben. Diese Chance musste ich natürlich nutzen und mein verlängertes Wochenende (vom 11. bis zum 14.10.)  außerhalb von Trondheim verbringen. Und nach kurzer Überlegung hab ich auch mein Ziel gefunden: Lillehammer.

Warum Lillehammer? Da wohnt Anna und ich hatte Lust, sie wiederzusehen und sie zu besuchen. Gesagt, getan. Donnerstag kam ich dann erstmal ne halbe Stunde zu spät zum Sprachkurs, ich hatte verschlafen und meinen Bus verpasst… Ich bin das erste Mal Bus in die Stadt und zum Sprachkurs gefahren – sonst nehme ich immer das Fahrrad -, weil ich mein Rad nicht 3 Nächte in der Stadt lassen wollte.

Nach dem Sprachkurs ging es mit dem Zug zu Anna. Die Zugfahrt war wunderschön, mitten durchs norwegische Fjell und Anna und ich haben schon beschlossen, dass wir da im nächsten Frühjahr zelten gehen wollen.

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von der Zugfahrt

Anna hat mich dann netterweise vom Bahnhof abgeholt und wir sind zu ihrer Gastfamilie, die mich für das Wochenende bei ihnen aufgenommen hat (danke nochmal dafür). Ich wurde auch gleich mit selbstgemalten Bildern ihrer Gastkinder überschüttet (richtig süß) und dann gab’s ein brokkolireiches Abendessen.

Freitag musste Anna noch arbeiten, aber das war kein Problem und wir haben den jüngsten einfach in den Kinderwagen gepackt und sind durch den Wald spaziert.
Bei Anna in der Nähe gibt es einen wunderschönen See, zu dem wir gegangen sind.

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Suchbild: siehst du mich?
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der See
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nochmal der See

Bei dem Wald, der echt märchenhaft aussah, konnte man sich schon gut vorstellen, dass die Menschen geglaubt haben/glauben, dass dort Trolle leben. Und auch, dass hier Elche wohnen, konnte ich gut glauben. Wobei, für mich ist der Elch ein bisschen wie ein Einhorn. Ich glaube einfach nicht daran, dass es sie hier wirklich leben, bis ich einen gesehen habe. Leider hat sich „skogens konge“ (also der König des Waldes) dieses Wochenende nicht blicken lassen. Anna vermutet, dass er schon geschossen wurde, da gerade die Elchjagdsaison ist. Das klingt zwar hart, aber die Norweger sind teilweise echt nicht gut auf die Elche zu sprechen, manchmal werden sie sogar als „Landplage“ bezeichnet… Aber ich schweife ab.
Irgendwann haben Anna und ich dann eingesehen, dass die Wege ab einem bestimmten Punkt nicht mehr kinderwagentauglich waren und so sind wir umgedreht und zurück zu ihr nach Hause gegangen (vorher gab’s noch einen steilen Berg mit anschließender Mittagspause). Dann haben wir uns dazu entschieden, Kanelboller (also Zimtschnecken) zu backen. Nachdem ich dann fünf Minuten vor dem Zuckerregal im Supermarkt gestanden hab und braunen Zucker gesucht und nicht gefunden habe, und Anna ihn auf einem Bild innerhalb weniger Sekunden entdeckt hatte, haben wir die Küche kurzzeitig in ein Chaos verwandelt und super leckere Boller gebacken.

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einer der Boller, die wir mit statt mit Zimt mit Kakaopulver gefüllt hatten. Auch sehr zu empfehlen

Ich glaube, ich habe am Freitag viel zu viele Boller gegessen, aber die waren einfach nur zu gut.
Am Freitag ist dann auch weiter nichts Spannendes passiert, wir haben uns wieder sehr gut mit Annas Gastmutter unterhalten und einen Film gesehen.
Vorher durfte ich noch eine norwegische Gute-Nacht-Geschichte vorlesen – ein Buch, dass ein Astronaut über seine Kindheit geschrieben hat, ein sehr süßes Buch. Am nächsten Tag wurde mir dann von dem Kind, das die Geschichte gehört hat, gesagt, dass ich das sehr gut gemacht habe.
Und wir haben etwas sehr typisch Norwegisches getan: Es gab Wraps (Tacos) zum Abendessen. Was daran typisch Norwegisch ist? In Norwegen ist das wohl in vielen Familien so üblich, dass freitags Wraps gegessen werden und auch die Supermärkte werben mit dem „Taco-Helg“ – also dem Taco-Wochenende.

Samstagmorgen ging es dann gut gestärkt und mit den übriggebliebenen Kanelbollern (es waren nicht viele übrig) im Gepäck nach Lillehammer. Ich war ja schon letztes Jahr im Sommer dagewesen, deshalb haben wir uns den Spaß gemacht und die Fotos vom letzten Jahr nachgestellt.

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Mama fehlt und der Boller in meiner Hand auch
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letztes Jahr gab es leuchtendes Grün und strahlend blauen Himmel, im Herbst dominieren hier gelb und grau

An der Skisprungschanze habe ich dann fleißig Postkarten geschrieben und sogar beide noch am selben Tag abgeschickt. Anna hat auch endlich zwei der drei Postkarten aus Trondheim geschrieben.. Das war wohl mein guter Einfluss.

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weil es in Lillehammer kein schönes Postkartenmotiv gibt, mussten diese süßen Trolle herhalten

Und dann erlebten wir etwas, von dem ich nicht weiß, ob ich es schon verarbeitet habe. In Lillehammer in der Eishockeyhalle war ein Flohmarkt und wir dachten uns, warum sollen wir da nicht mal vorbeischauen. Der Flohmarkt sollte um 13 Uhr beginnen, aber wir waren schon um 12.30 Uhr da, weil wir gerade von der Schanze hinuntergelaufen kamen und dann einfach dageblieben sind. Und wir waren nicht die ersten da. Nachdem wir dann auf den Treppen gepicknickt hatten und der Vorraum bis um 13 Uhr gerammelt voll war, öffneten sich die Türen und alle Menschen stürmten in die Halle. Es waren so viele Menschen unterschiedlichsten Alters, es war einfach nur faszinierend.
Ich möchte einmal kurz erklären, wie dieser Flohmarkt funktioniert: Leute spenden ihre Sachen, die dort zum Verkauf angeboten werden. Es gab alles, von Klamotten über Bücher, Möbel, Skier, Pflanzen, Geschirr, Weihnachtsdeko bishin zu Teppichen. Die Klamotten lagen auf großen Wühltischen oder hingen an Kleiderstangen. Man bekam am Anfang eine Plastiktüte in die Hand gedrückt und konnte diese (oder mehrere) dann zu belieben mit Klamotten vollstopfen. Für eine Tüte mit Kleidung musste man dann nur 150 Norwegische Kronen – also zirka 15 Euro – bezahlen. Ein wahres Schnäppchen also.
Anna und ich haben rein gar nichts gekauft, da wir einfach nur überfordert mit der Gesamtsituation waren. Die meisten Menschen hatten in ungelogen zwei Minuten schon drei Tüten vollgestopft und die Wühltische waren sehr schnell sehr ausgesucht. Alles ging einfach viel zu schnell und so sind wir nach einer halben Stunde wieder gegangen. Und haben erstmal nicht glauben können, was wir da gerade erlebt hatten.
Wir sind dann auf jeden Fall noch zum Einkaufszentrum in Lillehammer (da gibt es nur eins und nicht gefühlte dreihundert wie in Trondheim) gegangen, haben nach einem Norwegerpullover für Anna geschaut, sind nicht fündig geworden und dann zurück zu Annas Gastfamilie gefahren.
Dort gab es superleckeren „Prinzessinnen-Kuchen“ (also eigentlich nur Hefeteigboden mit Kanelbollern und Vanillesoße) und abends durfte ich noch eine gute-Nacht-Geschichte – diesmal auf Deutsch, Annas Gastkinder sind zweisprachig – vorlesen.
Dann sind Anna und ich in ihre Hütte gegangen und hatten noch einen sehr witzigen Abend. Ich finde es immer noch sehr faszinierend, dass wir uns so gut verstehen.

Am Sonntag wollten wir die Wege vom Freitag laufen, ohne Kinderwagen diesmal. Insgesamt sind wir rund 12km am See entlanggelaufen. Ich zeige dir einfach mal ein paar Bilder:

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es existiert eine ganze Bilderreihe nur mit unseren Flaschen…
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ja, ich hatte Angst, dass ich beim Landen umknicke und ins Wasser falle
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Selbstauslöser, unser bester Freund
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so schön und so idyllisch
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ein dramatischer Blick in die Ferne (oder zwei?)
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die Wege waren teilweise sehr abenteuerlich, aber sehr cool
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Märchenwald
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Vorsicht, gleich kommt der Troll da rausgelaufen

Und das nächste, was ich dem Elch kam, waren mal wieder nur seine Hinterlassenschaften…

Nach 12km Wandern/Spazieren gehen, wir sind uns nicht sicher, was es wirklich war, gab es Essen und mein Rucksack wurde gepackt.
Mit dem Bus ging es nach Lillehammer und dann in den Zug Richtung Oslo, denn zurück wollte ich fliegen. Das war erstens günstiger und zweitens sind die Züge zurück nach Trondheim an dem Tag zu seltsamen Zeiten gefahren.
Ich kam sehr aufgeregt am Flughafen Oslo an. Das war ja jetzt mein erstes Mal alleine Fliegen, Einchecken und so weiter und dann war noch nicht einmal klar, ob ich mitfliegen durfte. Ich (oder Papa) hatte nämlich Standby gebucht, das heißt, dass ich nur mitkomme, wenn noch ein Platz frei ist. Nach einigen Schwierigkeiten (beziehungsweise Dummheiten, mir ist in der Schlange zur Sicherheitskontrolle aufgefallen, dass ich noch Wasser in meinen Flaschen hatte…) saß ich dann am Gate und wartete. Und wartete. Und wartete und irgendwann war es schon viertel nach acht, obwohl der Flieger um zwanzig nach abheben sollte. Um zwanzig nach fing dann langsam das Boarding an und ich saß auf heißen Kohlen. Und siehe da, wer hätte es anders erwartet (außer Papa und ich und Mama, denn wer fliegt sonntagabends von Oslo nach Trondheim – nach diesem Flug sind außerdem noch sechs weitere nach Trondheim geflogen), waren nur noch zwei Plätze im Flugzeug frei, von denen ich natürlich keinen bekommen habe. Das war ein bisschen unerwartet und ich, ziemlich müde vom Wandern und Zugfahren und dem ganzen Tag, wollte nur noch nach Hause in mein Bett. Da liefen mir tatsächlich ein paar Tränen über die Wangen und ich konnte es nicht verhindern. Ein Mädchen, das auch nicht mitgekommen war, bemerkte das und kam zu mir, um mich zu trösten. Sie war so lieb und hat mich ein paar Mal fest in den Arm genommen und mir gesagt, dass alles gut wird. So ganz hab ich ihr das nicht geglaubt, aber es hat schon ziemlich geholfen. Ich hoffe, sie weiß, dass sie meinen Abend wenigstens ein bisschen besser gemacht hab.
Und dann hing ich fast dauerhaft bei Papa am Telefon. Der nächste Flug nach Trondheim, den ich nehmen konnte, flog um fünf vor neun. Mit Glück konnte ich das noch schaffen. Also einmal quer durch den Flughafen zu dem Gate. Dort wartete ich einige Minuten (es war inzwischen viertel vor neun), um dann zu erfahren, dass der Flug eine Stunde Verspätung hat. Erstmal bin ich dann zum Infoschalter, wo mich die nette Dame dann zum 21.15 Uhr-Flug geschickt hat, mir aber gesagt hat, dass sie mir nicht versprechen kann, dass ich da mitkomme. Und oh, wer hat damit gerechnet, der Flug war schon eine halbe Stunde verspätet. Was war da los in Oslo an diesem Abend? Alle Flüge waren zu spät, nicht nur die nach Trondheim. An dem Gate stand ich dann erstmal eine Weile rum, wusste nichts mit mir anzufangen, bis mich der Herr am Schalter angesprochen hat und fragte, ob er mir helfen könnte. Ich hab ihn dann einfach gefragt, ob er mir sagen kann, ob ich bei dem Flug mitkomme, er nahm meine vorübergehende Boardkarte, auf der noch kein Sitzplatz eingetragen war, tippte auf der Tastatur, klickte mit der Maus, klickte, tippte, zerriss meine Boardkarte und druckte eine neue aus. Mit Sitzplatz. Mit Fensterplatz! Oh mein Gott, was hab ich mich gefreut und mal wieder Papa (bestimmt zum 15. Mal an diesem Abend) angerufen und mich mit Papa gefreut.
Glücklich bin ich dann in den Flieger spaziert und „pünktlich“ um zehn sind wir dann in die Luft gegangen.

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tschüss, Oslo

Ich war so müde und so erleichtert, als wir um 22.40 Uhr in Trondheim gelandet sind. Dann ging’s mit dem Bus in die Innenstadt und von dortaus bekam ich noch den letzten Bus, der kein Nachtbus war und war pünktlich um Mitternacht zuhause. Dort hab ich noch was gegessen und dann ging’s ins Bett. Eigentlich wollte ich noch duschen, nach 12km Wandern und wie ein aufgescheuchtes Huhn durch den viel zu warmen Flughafen Rennen fördern doch den Schweißfluss, aber ich war viel zu müde. Für den nächsten Morgen stellte ich mir drei Wecker, aus der Angst heraus, wie am Donnerstag zu verschlafen.
Und wenn du glaubst, dass das Wochenende jetzt schon vorbei ist, dann hast du dich geirrt.
Als ich am Montag dann die Fotos von Lillehammer auf den Laptop laden wollte, konnte ich meine Kamera nicht finden. Ich hatte sie auf dem Flug nicht im Rucksack gehabt, weil der schon so voll gewesen war, und da muss ich sie wohl irgendwo, in einem der Busse, im Flugzeug, was weiß ich wo, liegen gelassen haben. Ich war natürlich wieder völlig fertig, hab E-Mails an die Busunternehmen geschrieben, mit SAS gechattet und am Dienstagnachmittag kam dann endlich die Mail vom Trondheim Airport Bodenpersonal, dass meine Kamera tatsächlich im Flugzeug lag. Oh Gott, war ich glücklich.
Mittwoch saß ich dann im Bus zum Flughafen (zum Glück fährt ein Linienbus, das macht die ganze Sache sehr viel günstiger) und dann hatte ich meine Kamera endlich wieder. Ich bin tatsächlich eine Stunde Bus gefahren, um etwa eine Viertelstunde am Flughafen zu verbringen. Erst als ich wieder zuhause war, war diese Horrorrückreise vom Sonntag für mich zuende.

Das Wochenende an sich war super klasse und ich habe vom Rückflug gelernt, meine Kamera das nächste Mal am Rucksack festzumachen oder hineinzustecken. Aber Standby werde ich trotzdem weiter fliegen.

Ich glaube, das war mein bis jetzt längster Blogeintrag und ich hoffe, dir hat er gefallen.

Ha det!
Hannah

Ein Kommentar zu „På tur im Elchland

  1. Hallo Hannah, ich bin die Mama von Anna und total begeistert von deinem Bericht und den Bildern. Anna hatte mir zwar schon Vieles erzählt, aber es von deiner Sicht noch mal zu lesen und die Bilder zu sehen, das ist schon toll. Dankeschön dafür und liebe Grüße von Monika

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