Das Hannah-ist-mutig-Projekt

Hei!

Schon wieder sind zwei Wochen vergangen und ich bin nun schon drei Wochen in Trondheim. Es kommt mir gleichzeitig viel länger und viel kürzer vor. Und jeden Tag finde ich mehr Gefallen an dieser wunderschönen Stadt und diesem unglaublichen Land.

Nach Schweden wurde ich erstmal krank. Montag habe ich noch mein Rad zur Reparatur gebracht (die so ungefähr eine halbe Minute gedauert hat…), dann waren Coco (also das andere Au Pair hier) und ich auf Munkholmen, einer kleinen Insel vor Trondheim, die schon von Wikingern und Mönchen und den Deutschen im zweiten Weltkrieg benutzt wurde und heute ein Museum und ein Cafe beherbergt.
Dann lag ich den Rest der Woche auf dem Sofa. Draußen waren über zwanzig Grad und ich versuchte, mich auszukurieren. Na toll…
Am Wochenende war das Wetter aber immer noch super und Coco und ich statteten dem Ringve Museum, einem Musikmuseum in Trondheim, einen Besuch ab. Dort sahen wir uns viele alte Instrumente und ein wunderschönes Haus einer Familie, die dort gewohnt hatte (das hätte dir sehr gut gefallen, Lulu), an. Danach gab es noch ein Cello-Konzert, was auch echt schön war. Seit Samstag bin ich auch stolzer Besitzer einer Regenhose, die hier echt nötig ist, da das Wetter gerne mal sehr schnell umschlägt.
Am Sonntag, als wir den Ladestien-Wanderweg direkt am Fjord entlanggegangen sind, habe ich sie allerdings nicht gebraucht. Das Wetter war wieder wunderbar und Coco und ich haben genauso viel Zeit in der Sonne auf einer Bank liegend verbracht, wie wir tatsächlich gewandert sind. Es war klasse.
Seit Montag besitzen wir nun auch Bibliotheksausweise und wissen, dass das goldene Trio aus Harry, Ronny und Hermine besteht.
Am Mittwoch startete dann mein Hannah-ist-mutig-Projekt. Dieses Projekt besteht daraus, dass ich Dinge tue, die ich in Deutschland niemals getan hätte oder bei denen ich mir unsicher bin. Ich möchte in Norwegen nämlich jede Chance nutzen und nicht bereuen müssen, etwas nicht getan zu haben. Deshalb habe ich all meinen Mut zusammengenommen und bin zum nächsten Reitstall gefahren. Dort habe ich gefragt, ob jemand sozusagen eine Reitbeteiligung sucht. Leider wusste die Hofbesitzerin niemanden, aber ich habe ihr meine Handynummer dagelassen, falls sie jemanden findet. Schade, aber ich habe es immerhin versucht.
Donnerstag habe ich meinen Vormittag alleine am Fjord verbracht und Freitag zusammen mit Coco. Da waren einige Studenten, die wunderbare Videos oder Fotos für Instagram gemacht haben. Das war sehr witzig zu beobachten, weil man ihnen im Nachhinein angesehen hat, dass das Wasser arschkalt war. Und dann war da noch eine Frau mit ihrem Mops, der unbedingt Cocos Banane haben wollte. Ich fand das sehr witzig, sie jedoch nicht so.
Am Freitagabend war ich schon wieder mutig. Ich war wieder unten am Fjord, um den Sonnenuntergang anzugucken. Da habe ich zwei Mädchen in meinem Alter zelten gesehen, die Deutsch gesprochen haben. Also bin ich einfach zu ihnen hingegangen und wir haben uns noch eineinhalb Stunden gut unterhalten. Dann wurde es zu kalt und dunkel und ich bin wieder reingegangen.

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mein Fahrrad und ich in einem Einkaufszentrum. Es war ein sehr interessantes Erlebnis
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ein Rückblick auf Munkholmen
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nach einem kalten August kam der Sommer zurück
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hier haben wir sehr lange in der Sonne gelegen
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Sonnenuntergang über dem Korsvika

Am Wochenende war ich dann wieder mutig. Und vielleicht ein bisschen verrückt. Aber ich bereue nichts. Nicht das kleinste bisschen von diesem Wochenende würde ich ungeschehen machen. Denn manchmal, wenn man mutig ist, kommt man mit neuen Freunden und unglaublichen Erinnerungen zurück. Aber ich möchte nicht weiter um den heißen Brei herumreden: Wir waren campen! Es war das erste Mal für mich und es war ein echtes Abenteuer. Losgefahren sind wir Samstagmorgen. Wir, das waren Coco, Laura und ich. Laura ist ein Au Pair in der Nähe von Trondheim und weder Coco noch ich kannten sie vorher persönlich. Coco hatte vorher schon länger mit ihr geschrieben, aber wir hatten trotzdem sehr viel Glück, dass wir uns alle auf Anhieb gut verstanden. Und sie hat ein Auto. Also sind Coco und ich mit dem Bus zu ihr rausgefahren und dann begann der Roadtrip. Wir sind fast fünf Stunden bis ins Litlefjellet gefahren, eine Gegend in der Nähe von Åndalsnes. Autofahren macht in Norwegen sogar sehr viel Spaß, da die Landschaft wunderbar ist und man nur sehr langsam fahren darf und dadurch alles gut betrachten kann.
Ursprünglich war der Plan gewesen, Nordlichter zu sehen. Meine Gastmutter hatte mir aber auch schon gesagt, dass es viel zu früh dazu sei. Deshalb war ich auch nicht enttäuscht (Spoiler), dass es nicht geklappt hat. Ein Elch ist aber leider auch nicht aus dem Unterholz gekrochen. Klingt ziemlich enttäuschend, dass uns außer Schafen und Kühen kein Tier über die Straße gelaufen ist, oder?
Im Fjell (also in den Bergen, nur auf Norwegisch) angekommen, sind wir erstmal den Berg hoch. Von dort hatte man eine wunderbare Aussicht auf Åndalsnes und Trollveggen, die höchste Felswand Europas. Diese hatten meine Eltern und ich ja letztes Jahr schon erahnen können. Da standen wir direkt davor, aber dichter Nebel verhinderte damals die Sicht.
Coco, Laura und ich hatten aber Glück und so verbrachten wir recht lange oben auf dem Berg, um Fotos zu machen. Laura macht nämlich auch richtig gute Fotos, ich mache mal eiskalt Werbung für ihren Instagram-Account @oppdager, wo bestimmt bald auch schöne Fotos von unserem Trip zu sehen sind. Für mehr Au Pair in Norwegen, könnt ihr natürlich auch @aupaircoco folgen. Werbung beendet 😀
Wir hatten schon echt Glück, Laura dabeigehabt zu haben (oh Gott, Deutsch ist eine schwere Sprache), denn vor allem nachts haben wir so wunderschöne Aufnahmen von uns dreien und dem Sternenhimmel gemacht. Dazu später mehr.
Nach dem Abstieg ging es zu einem kleinen See, der nicht sonderlich spektakulär war, allerdings gab es dort ein niedliches Haus, das in einen großen Stein gebaut worden war.
So, zurück am Auto haben wir das Zelt aufgebaut, festgestellt, dass es doch zu klein für uns drei ist und beschlossen, dass Laura im Auto schläft. Es war wirklich lieb von den beiden, dass sie mir auf jeden Fall einen Zeltplatz zugewiesen haben, weil ich ja noch nie gecampt habe. Das Auto wäre im Nachhinein vielleicht doch die beste Wahl gewesen, doch die Nacht im Zelt war auch sehr spannend.
Nachdem das Zelt aufgebaut war (was zugegebenermaßen nicht gerade lange gedauert hat), gab es Essen. Nudeln mit oder ohne Soße, je nachdem, wen man fragt. Nach dieser ausgesprochen ausgewogenen Mahlzeit ging es nochmal auf den Berg, Sonnenuntergang angucken. Dieser fand über Åndalsnes (langsam habe ich keine Lust mehr, ständig dieses Kringel-A einzufügen…) statt und es hat sich wirklich gelohnt. Im Dämmerlicht und bei etwas Wind ging es wieder nach unten und wir haben uns ins Zelt gesetzt und gequatscht. Und gewartet. Gewartet auf 23 Uhr, denn da sollte es wieder aufklaren und wir wollten freie Sicht auf die Sterne haben, die nach und nach auftauchten.
Oh, wie begeistert wir waren, als wir wieder aus dem Zelt gekrochen kamen. Um es mit Cocos Worten zu sagen, war es ganz nett.
Da wir irgendwo im Nirgendwo waren, gab es so gut wie keine Lichtverschmutzung (außer ein ganz bisschen von Åndalsnes, aber das hat kaum gestört) und ich glaube, ich habe noch nie so viele Sterne auf einmal gesehen. Man konnte die Milchstraße deutlich erkennen und wir waren alle begeistert. Laura holte ihre Kamera und ich zog mir noch mehr Klamotten an, denn der Wind war ziemlich stark. Ich kann mich nicht daran erinnern, jemals so viele Kleidungsstücke gleichzeitig getragen zu haben: normale Socken, von Oma gestrickte Socken, eine Funktionsleggins, eine Jeans, meine neue Regenhose, ein Top, ein Langarmshirt, darüber meine Fleecejacke, darüber einen Hoodie und abschließend meine Regenjacke und mein Funktionshalstuch. Mit den Kapuzen auf unseren Köpfen haben wir uns gefühlt wie kleine Gnome (wir sahen auch so aus).
Der Wind wurde immer stärker und kam in Böen. Ein bisschen fürchteten wir uns um unser Zelt, aber das sollte die Nacht überleben. Wir übrigens auch. Wir hatten zwar wenig bis gar keinen Schlaf, immer wenn man gerade eingenickt war, kam eine Windböe und drückte das Zelt in Cocos und mein Gesicht und wir wachten wieder auf. Ich habe um 4:25 Uhr das letzte Mal auf die Uhr geguckt. Dann bin ich wohl endlich komplett eingeschlafen, aber um kurz nach sechs wurde ich von Coco, die aus dem Zelt schaute und „Alter, ist das geil“ oder etwas Ähnliches sagte, geweckt. Wir wollten nämlich den Sonnenaufgang anschauen. Also schälte ich mich aus dem Schlafsack und verwandelte mich wieder in einen Gnom. Die Windböen waren noch stärker geworden und teilweise hatte ich das Gefühl, weggeweht zu werden. Aber der Sonnenaufgang war wunderschön und das wenige Schlafen hat sich definitiv gelohnt.
Und dann ist das Zelt doch noch kaputt gegangen. Der Wind hat es tatsächlich geschafft, eine Zeltstange zu brechen. Unpraktisch. Wir haben alles schnell ins Auto geladen und haben uns auf den Rückweg gemacht. Leider war es einfach zu windig, um noch länger im Fjell zu bleiben. Ich hab dann auch wirklich noch eine Stunde auf der Autofahrt geschlafen. Nach einem Zwischenstopp bei Laura „zuhause“ war ich wieder in Trondheim, freute mich auf Essen (es gab einen leckeren Salat) und auf mein Bett. Meine Gasteltern waren begeistert von meinen Fotos (und vor allem von den Milchstraßenbildern von Laura).
Danke für das tolle Wochenende! Auch wenn die beiden sich als Süddeutsche oft gegen mich Norddeutsche verbündet haben, habe ich mich erstaunlicherweise nicht auf die Klappe gelegt und alles war sehr entspannt. Danke, #teamRED!

Jetzt folgen noch einige Fotos und Eindrücke von unserem kleinen Abenteuer.

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neben der Straße auf halber Höhe, kann man unser Zelt erahnen
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Sonnenuntergang über Åndalsnes
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Stau auf Norwegisch
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Wir drei auf dem Berg mit unseren roten Regenjacken
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Sonnenaufgang Teil 1
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Sonnenaufgang Teil 2
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ein Sprung über eine Pfütze mit Trollveggen im Hintergrund. Ja, ich bin da öfter als einmal rüber gesprungen …
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ich, hinter einem Stein vor dem Tal, in dem wir gezeltet haben
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das Zelt danach… da wird einem erst bewusst, was für Kräfte das gewesen sein müssen

Ich hoffe, hattest genauso viel Spaß beim Lesen, wie ich beim Schreiben und erleben. Die fertigen Milchstraßenbilder findet man bestimmt bald bei Laura.

Ha det!
Hannah

2 Kommentare zu „Das Hannah-ist-mutig-Projekt

  1. IT´S DA FAINÄÄÄÄHL CAUNTDAUN DÖDÖDÖ DÖÖÖÖ… ääääh was?

    Das ist ein sehr cooles Projekt! Du hast da Zeit, Raum und Möglichkeiten ohne Ende, nutze das, nicht das dadurch das Raum-Zeit Kontinuum aus dem Gleichgewicht kommt D: (Punkt?)

    Nordlichter gibts nur im Winter, ich will auch unbedingt mal welche fotografieren (und sehen) *seufz*

    Die Kamera von Laura sah seeeeeeeeeeeeeeeeeeeeehr gut aus. Was für eine ist das? Mist, sorry, da kam gerade wieder der Fotonerd durch. Hach ja, Sternenfotografie ist immer anders und immer wieder umwerfend. In Norwegen muss das besonders schön sein, man hat keine Lichtverschmutzung, dann kann man die Milchstraße am besten fotografieren… *heulwillauchheul*… ich rüste mich mal aus mit richtigen Objektiven (1500€, will Zeiss mich verkackeiern?) in der nächsten Zeit und beim nächsten lichtverschmutzungsarmen Urlaub werden Bilder gemacht.

    So. Jetzt habe ich kein Rückstand mehr. Es ist kurz nach 23 Uhr und ich muss morgen wieder arbeiten. Aber das hat sich gelohnt länger aufzubleiben.

    LG Trabbi

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